Wie Sie als Trainer beschäftigungsfähig bleiben

Kürzlich durfte ich bei einem internen Trainertag eines Automobilherstellers einen Vortrag zum Thema „Rolle der Trainer – wie Trainer beschäftigungsfähig bleiben“ halten und diese Woche habe ich das Thema „Zukunft der Weiterbildung“ für einen Mobilitätskonzern vor mir.

Der Bildungsmarkt verändert sich

Jeder Trainer/-in merkt, dass sich die Teilnehmer, die Anforderungen der Auftraggeber, die Bildungsformate verändern und dennoch machen sich erstaunlich wenige auf den Weg in die neue Bildungswelt auf. Es wird lamentiert und diskutiert, ob denn die Rahmenbedingungen gut sind und wohin diese ganzen Veränderungen führen werden. Dass Diskussionen nötig sind, steht für mich außer Zweifel – jedoch muss man irgendwann auch anerkennen, dass wir manche Dinge nicht verändern und den Fortschritt nicht aufhalten können.

Strategien für Trainer

In den vielen Diskussionen habe ich bemerkt, dass sich Trainer/-innen Strategien zu Recht legen, um die aktuelle Situation zu meistern. Es gibt einige, deren Bauchgefühl sagt: „Das geht alles viel zu schnell und die Folgen sind nicht erfassbar“ und deren Kopf sagt: „Wie kann ich mithalten, wie passe ich mich an und welche Chancen ergeben sich für mich“.

 

3 Strategien, die derzeit bemerkbar werden:

  1. Aussitzen und Abwarten

Manche Trainer/-innen vertrauen darauf, dass sie die Zukunft so fortschreiben können, wie sie die Gegenwart und die Vergangenheit erleben bzw. erlebt haben. Ich spreche hier gern von der gewünschten Zukunft: „Ich verkaufe meine Trainingstage zu einem bestimmten Tagessatz, habe mein Portfolio, in dem ich mich auskenne und Profi bin, weiß im Training genau, welche Fragen von den Teilnehmern kommen und bin zufrieden mit 150 verrechenbaren Trainingstagen pro Jahr.“

Der Veränderungsdruck wird momentan noch nicht gespürt und man wartet als Trainer/-in erstmal ab, ob der Kunde uns zu neuen Möglichkeiten, neuen didaktischen Modellen oder veränderten Lehr- und Lernformen und Formaten anspricht.

  1. Nischen suchen

Einige Trainer/-innen suchen sich bewusst Nischen, die von Veränderungen ausgeschlossen sind. So wurde mir z.B. von einem Trainer berichtet, dass seine Softskill-Themen, wie zum Beispiel die Beratungsgespräche in einer Bank, niemals von Veränderungen betroffen sein werden und in solchen Trainings immer Menschen mit Menschen und von Menschen lernen wollen und es auch keine anderen Möglichkeiten gibt. In solch einem Fall spreche ich gern von der erwarteten Zukunft. Die Strategie des „Nischen-Suchens“ und das Vertrauen, dass genau dieses Szenario weiter Bestand haben wird, ist nicht ganz risikofrei.

Typische Nischen sind z.B. Softskill-Themen, bei denen der „Mensch im Mittelpunkt“ steht oder das Anbieten von Coachings.

 

  1. Sich-darauf-einlassen

Einige Trainer/-innen lassen sich bewusst auf neue Möglichkeiten ein, sind sehr neugierig und ziehen für sich die nötigen Schlussfolgerungen. Immer mehr investieren in sich selbst und bilden sich weiter, z.B. zum Live Online Trainer oder zum Digital Learning Designer, um den Anforderungen der Auftraggeber gerecht zu werden und um auch das eigene Portfolio zu erweitern.

Oftmals bemerken wir in Gesprächen eine gewisse Planlosigkeit, Überforderung oder Unsicherheit, weil es sehr viele Möglichkeiten der Weiterbildung gibt und jeder Anbieter das „ultimative Heilsversprechen“ abgibt.

Hier hilft es, sich selbst kluge Fragen zu stellen und auch mit bisherigen Auftraggebern zu sprechen:

  • Wie verändert sich das Training / die Weiterbildung in Zukunft?
  • Welche Anforderungen an Trainer/-innen haben die Auftraggeber, die Kunden, die Teilnehmer?
  • Welche Kompetenzen sind notwendig, um diese Veränderungen souverän begleiten zu können?
  • Wie bleibe ich selbst auf dem Laufenden?
  • Wie könnte ein disruptives Trainingsmodell für mich und mein Thema aussehen?
  • Wie sieht mein Geschäftsmodell in Zukunft aus?

 

Drei Evolutionsstufen

Wenn wir heute Trainer/-innen begleiten, bemerken wir oft, dass die eigene Rolle und die eigenen Themen mit Samthandschuhen angefasst werden. Ich spreche dann gern davon, dass man die Liegestühle auf der Titanic umstellt aber das Schiff dennoch in Kürze sinkt. Also was tun?

An 3 Evolutionsstufen denke ich momentan, die ich so auch selbst in den letzten 20 Jahren als Trainer durcherlebt habe:

  1. Evolutionsstufe
    Das klassische Präsenztraining, Workshops, Masterclasses, Coaching und Co., in denen wir heute äußerst gut sind und jahrelange Erfahrung haben. Verrechenbare Vorbereitungstage, Vernetzung mit Kollegen, Vermittlung von Kollegen an Kunden, Provisionsvereinbarungen usw.
  2. Evolutionsstufe
    Ein gutes Bildungsmodell, welches verschiedene Formate enthält und wir z.B. Learning as a Service, aber auch Lernprozessbegleitung im Social Learning Network anbieten. In Zukunft werden immer mehr Auftraggeber von Ihnen fordern, dass Sie „E-“ Anteile in Ihrem Portfolio bereithalten und z.B. komplexe Blended Learning Formate entwickeln, begleiten und zum Erfolg führen können.
  3. Evolutionsstufe
    Entwicklung eines disruptives Geschäftsmodells mit der zentralen Fragestellung: „Wie mache ich mich selbst als Trainer/-in überflüssig und wie generiere ich Einnahmen, obwohl ich nicht mehr im Seminarraum oder auf der Bühne stehe?

Diese Woche steht bei mir eine Projektbegleitung „Zukunft der Weiterbildung“ an und ich freue mich schon darauf, mit den Teilnehmern neue Wege zu gehen, alternative Möglichkeiten aufzuzeigen, neues Denken zu ermöglichen damit Trainer beschäftigungsfähig bleiben. Im Vorfeld haben alle Teilnehmer schon verschiedene Videos zur Einstimmung und eine Aufgabe erhalten um sich optimal auf unsere Woche einzulassen. Alle tauschen sich bereits im Social Learning Network aus und „kennen“ sich schon zumindest in der virtuellen Welt.

Ich freue ich auf Ihre Meinung, den Austausch, Ihre Ideen zum Thema oder ihre konkrete Frage. Nehmen Sie gern Kontakt mit mir auf oder folgen Sie uns auf LinkedIn und bleiben Sie so auf dem Laufenden.

Kontaktdaten: j.buschbacher@clc-learning.de

 

Beschäftigungsfähigkeit als Trainer

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