EdTech: Was Unternehmen beachten müssen, die ihre betriebliche Weiterbildung digitalisieren

Die Geschwindigkeit, mit der sich Wissen und Produktionsabläufe verändern, ist  rasant. Das Lehren und Lernen muss mit dem Tempo schritthalten.

EdTech, Bildung und Weiterbildung mithilfe digitaler Technik also, bietet fantastische Möglichkeiten für die Weiterbildung der Zukunft – und zwar nicht nur für die Lerner, sondern auch für diejenigen, die Informationen vermitteln wollen. Konzerne arbeiten daran, Entwicklungen im EdTech-Bereich voranzutreiben. Es wird in diesem Zusammenhang viel geforscht und ausprobiert, auch mit Virtual Reality oder Mixed Reality. Allerdings stecken solche Versuche aus meiner Sicht noch in den Kinderschuhen. Schneller wird es gehen, dass sich Unternehmen zunächst einmal bestehender Systeme bedienen und beispielsweise einen internen Youtube-Channel eröffnen – bezogen auf die für den jeweiligen Betrieb wichtigen Arbeitsschritte und Inhalte.

EdTech in der Praxis

Das kann dann in der Praxis so aussehen: Ein Mitarbeiter aus dem Lager will wissen, wie drucke ich einen Barcode aus? Also gibt er in die Suchmaske des internen Kanals die Stichworte „Barcode ausdrucken“ ein – und bekommt dann sofort ein aktuelles Erklärvideo geliefert, das ihm die nötigen Schritte erläutert.

Das Thema EdTech wird durch solche einfachen Formate an Relevanz gewinnen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Geschwindigkeit, mit der sich Wissen und Produktionsabläufe verändern, ist rasant – jede Woche ändert sich ein Detail in der benötigten SAP-Maske oder ein Produktionsschritt bei der Auto-Montage. Die Anpassungen laufen so schnell, dass die Unternehmen kaum mehr hinterherkommen, ihre Präsenz-Schulungen anzupassen. Man muss ja tatsächlich nicht für alles ein zweitägiges Training anbieten. Für die Unternehmen wird es zunehmend wichtig, kurzfristig aktuelle Informationen anzubieten, vielleicht auch noch selbst bereitzustellen, und diese Informationen dann den Mitarbeitern zu übermitteln – möglichst schon am nächsten Tag.

Mensch versus EdTech

Bei der Nutzung von EdTech geht es, klar, zunächst um die technische Komponente. Welche IT wollen wir nutzen? Welche Technik ist verfügbar? Dann aber ist ein anderer Aspekt zentral: Woher kommen denn eigentlich die Inhalte? Mithilfe von EdTech kann jeder professionelle Mitarbeiter, zum Beispiel am Band oder in der Verwaltung, zum Inhaltslieferanten werden, ohne dass es eines Vermittlers bedarf. Durch EdTech ändert sich dann auch die Rolle des Trainers, der bisher zweitägige Trainingseinheiten für die Mitarbeiter konzipiert und durchgeführt hat – und künftig wahrscheinlich eher kleine digitale Learning-Nuggets entwickeln wird.

 

Wichtig: Es muss jemanden geben, der eine Qualitätskontrolle bei der Bereitstellung der Informationen vornimmt – falsche Informationen verzigfachen sich sonst in Windeseile. Das ist auch der Haken bei Bildungsinhalten, die draußen im Netz verfügbar sind. Da gibt es zwar vielleicht ein tolles Video auf Youtube, das zeigt, wie sich ein Loch in Metall bohren lässt – aber der, der in dem Film bohrt, trägt weder eine Schutzbrille noch ein  Haarnetz. Und deshalb ist das Video unbrauchbar. Dazu kommen die vielen internen Prozesse, die so speziell sind, dass sich kein Material draußen finden lässt. Die muss das Unternehmen also selbst aufbereiten – und dann auch die Qualität sicherstellen.

An was wir denken sollten:

Das setzt eine geeignete professionelle Infrastruktur voraus. Wer EdTech in seinem Unternehmen nutzen möchte, muss vier Bereiche betrachten:

  • Das ist zunächst einmal die Technologie. Welche Tools sind vorhanden? Gibt es ein Social Learning Network? Gibt es eine Art Youtube-Kanal im Unternehmen? Werden bestimmte Apps genutzt? Wenn nein: Wie will ich meine Inhalte vermitteln? Das gilt es zunächst zu klären.
  • Der zweite Bereich betrifft den eigentlichen Inhalt. Viele Informationen im Unternehmen wurde ja schon mal aufgeschrieben, aber: Inwieweit sind die alten Aufzeichnungen geeignet, sie auch digital weiterzugeben? Wenn nicht: Wie bereiten wir sie auf?
  • Drittes Feld: Wer macht das? Und wie? Wie sehen die Akteure, Prozesse und Strukturen der innerbetrieblichen Weiterbildung aus? Liegen deren Inhalte isoliert auf einem Laufwerk herum – oder gelingt es, kleine Lerneinheiten in einen umfassenden Lernprozess zu integrieren?
  • Und dann haben wir noch das vierte Feld – ein oft übersehenes, aber wesentliches: die Analyse der Lerndaten. Erfahren die Bildungsexperten im Unternehmen, wie die Inhalte bei den Lernenden ankommen? Ist die Vermittlung erfolgreich? Lassen sich die Prozesse vereinfachen und verbessern?

Für ein Unternehmen, das diese vier Punkte beachtet, kann EdTech zum echten Innovationstreiber in der Aus- und Weiterbildung werden. In den letzten Wochen habe ich dazu wieder viel diskutiert und mich mit anderen Bildungsexperten ausgetauscht. Fast ausnahmslos waren wir uns einig, dass wir die Entwicklung hin zu EdTech nicht aufhalten werden und das wir uns deshalb aktiv damit beschäftigen müssen.

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